Marostica ist nicht nur für herrlich saftige Kirschen bekannt! Mit ihren beiden Schlössern und der imposanten Ringmauer zählt sie zu den bedeutendsten mittelalterlichen Wehranlagen Venetiens. Alle zwei Jahre im September bietet die mittelalterliche Stadt zudem ein ganz besonders Highlight: Das wohl berühmteste Schachspiel Italiens.
Marostica Tipps im Überblick
Lage und Geschichte von Marostica auf einen Blick
Marostica, eine der wichtigsten Wehranlagen Venetiens, befindet sich nur wenige Kilometer von der UNESCO-Stadt Vicenza und der Ortschaft Bassano del Grappa entfernt. Obwohl die Stadt heute etwas mehr als 14.000 Einwohner zählt, blickt sie auf eine äußerst bewegte und interessante Vergangenheit zurück. Ideal zwischen den Voralpen und der Talebene gelegen, war Marostica schon immer ein wichtiger Bezugspunkt für Heere, Reisende und Kaufleute verschiedenster Epochen, die sich von Osten nach Westen bewegten. Abgesehen von den antiken Römern, prägten vor allem die Herrschaften der Scaliger (Herren von Verona) und der Republik Venedig die Geschichte von Marostica. Während das Städtchen vor allem seine architektonischen Schätze den Scaligern verdankt, wirkten sich die Einflüsse der Republik Venedig insbesondere auf die Politik und Verwaltung aus.
Welche Sehenswürdigkeiten darfst du dir in Marostica nicht entgehen lassen?
Umschlossen von den mächtigen Stadtmauern, die die beiden Schlösser der Stadt miteinander verbinden, spürt man in Marostica mit jedem Schritt das Echo der Vergangenheit. Man trifft auf Plätze, die von vergangenen Fehden erzählen, versteckten historischen Pfaden und auf Gemäuer, die vom Zauber längst vergangener Zeiten träumen lassen.
#1 Castello Inferiore



Der Bau des Castello inferiore, des unteren Schlosses von Marostica, geht auf das 14. Jahrhundert zurück - in jene Zeit, als die Scaliger, die "Herren von Verona", die gesamte Festungsanlage der Stadt neu gestalten ließen. Die Struktur der Burg wurde quadratisch angelegt, mit einem hohen Bergfried im Inneren und zwei Zugbrücken auf der Nord- und Südseite. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Festung zunehmend zu einem Regierungssitz: Während der venezianischen Herrschaft befanden sich hier der Stadtrat und die Verwaltung - und bis zum Beginn des 20. Jhd's befanden auch die Gefängnisse.



Sehenswert: Neben dem Bergfried und dem Patrouillenweg lohnt sich auch der Besuch der venezianischen Loggia (mit Fresken der Adelswappen im Innenhof), des Ratssaals ("Sala del Consiglio"), der Waffenkammer ("Sala delle armi") und des Kaminzimmers ("Sala del camino") nicht entgehen lassen. Im Dachgeschoss des Schlosses befindet sich außerdem das kleine Museum mit Kostümen und Requisiten, die für das berühmte Schachspiel auf der Piazza degli Scacchi genutzt werden.
𝓲 Informationen für euren Besuch
Informationen zu Eintritt & Uhrzeiten findet ihr hier.
#2 Piazza degli Scacchi & Palazzo del Doglione

Sie gehört zu den schönsten Stadtplätzen im Veneto und ist Schauplatz des wohl berühmtesten Schachspiels Italiens: Die Piazza degli Scacchi. Sie befindet sich direkt zwischen dem unteren Schloss und dem Palazzo del Doglione, Während der venezianischen Herrschaft (1404–1797) waren in diesem Gebäude einige der wichtigsten Ämter untergebracht: das Notariat, das Archiv der Notariatskammer und das Waffenlager. Heute befindet sich hier der Sitz der Volksbank von Marostica. Im großen Sitzungssaal kann man ein großes Kunstwerk aus Majolika-Keramikplatten von Gigi Carron bewundern, das den Titel "Buon Governo" ("Die gute Regierung") trägt.
Zurück zum Platz mit dem Schachbrett! Hier findet nämlich alle 2 Jahre im September ein Schachspiel mit lebenden Figuren statt, das an eine ganz bestimmte Schachpartie aus dem 15. Jahrhundert erinnern soll. Eine Schachpartie, die einen Streit beilegte, der beinahe in einen Krieg ausgeartet wäre. Der Legende nach verliebten sich zwei Ritter - Rinaldo d'Angarano und Vieri da Vallonora - in Lionora, die Tochter des Gouverneurs von Marostica, und duellierten sich um sie. Da der Gouverneur sich keinen der beiden Ritter zum Feind machen wollte, beschloss er Lionora mit jenem Ritter zu vermählen, der eine Partie Edelschach mit lebenden Figuren auf dem Turnierplatz gewinnen würde. Doch auch der Verlierer ist nicht leer ausgegangen, denn ihm wurde die Heirat mit Oldrada, Lionoras jüngerer Schwester, versprochen.
#3 Castello Superiore

Das Castello Superiore, das obere Schloss von Marostica, befindet sich auf dem Pausolino Hügel oberhalb der Stadt und ist über die Ringmauer mit dem unteren Schloss verbunden. Von hier aus bietet sich eine wundervolle Aussicht auf die von Mauern umgebene Stadt. Das Schloss wurde auf den Fundamenten eines ehemaligen Turms errichtet und geht höchstwahrscheinlich auf Cangrande II. della Scala zurück. Leider ist von dem eindrucksvollen Schloss heute nicht mehr viel übrig, doch das steinerne Wappen über dem Eingang zeugt davon, dass das Schloss auf die Scaliger zurückgeht.
#4 Ringmauer und Wehrgang

Beim Anblick dieser Ringmauer hat es mir die Sprache verschlagen. So elegant, mächtig, majestätisch und einzigartig wie sie Marostica schützend in sich einschließt, kommt es einem glatt so vor als würde sie gleich zum Leben erwachen und uns die Geschichten erzählen, die sie im Lauf der Jahrhunderte erlebt hat. Die etwa 1,8 km lange Wehrmauer, die in schlangenlinien um die Stadt und den Pausolino Hügel verläuft, umschließt die Stadt seit Anfang 1372. Sie besteht aus 24 Wehrtürmen, 3 davon bilden die Stadttore Porta Vicentina, Porta Bassanese und Porta Breganzina. Das vierte Tor, die Porta Tramontana, steht auf dem Pausolino Hügel und bildet den Eingang zum oberen Schloss.
#5 Chiesa dei Carmini



Die Barockkirche Chiesa dei Carmini wurde gegen 1619 errichtet und besteht in ihrem Inneren lediglich aus einem kleinen quadratischen Raum. Sehenswert sind die mit Fresken verzierte Decke im Innenraum (von Giuseppe Graziani) und die Altardecke aus geschnitztem Holz und Stuckmarmor aus Mitte des 17. Jhd's. Im kleinen Vorhof der Kirche könnt ihr außerdem auch eine dokumentarisch-fotografische Ausstellung betrachten, die von Marostica zur Zeit des Ersten Weltkrieges erzählt.
#6 Sentiero dei Carmini: Kurzwanderung zum oberen Schloss



Bei der "Chiesa dei Carmini" beginnt auch der Pilgerpfad "Sentiero dei Carmini", ein kurzer Wanderweg der von der Kirche zum Castello Superiore hinaufführt. Der Pfad verläuft in Serpentinen auf den Pausolino Hügel und bietet immer wieder tolle Ausblicke auf das Zentrum und die Wehrmauer von Marostica. Der Rückweg führt vom oberen Schloss über einen weiteren historischen Pfad - der "Antica Strada dei Frati" - wieder hinunter zum Hauptplatz von Marostica, der Piazza degli Scacchi.
𝓲 Tourenbeschreibung
Die Details zur Tour könnt ihr euch auf meinem Outdooractive-Profil ansehen.
#7 Chiesa di Sant'Antonio Abate



Ganz kurz bevor man die Chiesa dei Carmini erreicht, schlendert man an der Chiesa di Sant'Antonio Abate vorbei. Die Kirche wurde gegen Mitte des 14. Jahrhunderts errichtet und ab 1440 erweitert, um ein Kloster der Franziskanermönche darin unterzubringen., die das Kloster bis ca. 1650 bewohnten. Danach wurde die Kirche von der Bruderschaft der Carmini geleitet. Die heutige Kirche geht auf weitere Umbauarbeiten um 1730 zurück. Vom ehemaligen Kloster zeugen heute noch der Kreuzgang mit einigen Statuen und der Innenhof. Von architektonischem Interesse ist außerdem der Glockenturm mit seiner konischen Spitze und den Rundbogenfenstern.
Kulinarische Highlights
Berühmt sind auch die Kirschen von Marostica: Tatsächlich sind es italienweit die einzigen Kirschen, die das Qualitätssiegel "I.G.P." tragen (geschützte geografische Angabe) und deren Anbau geht sogar bis auf das 15. Jahrhundert zurück!
Marostica und Umgebung
Rund um Marostica verstecken sich zahlreiche Orte, die mit den verschiedensten Sehenswürdigkeiten auf euren Besuch warten! Unerwähnt kann ich natürlich nicht die wunderschönen Städte der Region lassen: Wie wäre es mit einem Besuch vom Palladio UNESCO-Welterbe in Vicenza? Einem Ausflug nach Padua? Ein Sprung nach Verona, der Stadt von Romeo & Julia? Oder einem Tagestrip ins traumhafte Venedig?
Darüber hinaus gibt es selbstverständlich auch viele viele "Borghi" wie sie im Italienischen genannt werden: kleine mittelalterliche Orte, die einen ganz besonderen Charme versprühen. In der Provinz von Vicenza, dem Vicentino, gehören beispielsweise diese hier dazu: Bassano del Grappa, Thiene und Schio. Und auch Naturliebhaber kommen hier nicht zu kurz, denn die Hochebene von Asiago bietet allerlei Aktivitäten für Wanderer und Fahrradfahrer.
