logo blog (1).svg

whatsapp

Dir gefällt was du siehst?

Gleich weitersagen!

2 Tage in Padua: Ein Städtetrip zwischen Sehenswürdigkeiten und einem Teil Familiengeschichte

14/02/2019 23:00

Nikita

Reiselust, Italien, Venetien, Städtereisen, reisetipps, staedtereise,

2 Tage in Padua: Ein Städtetrip zwischen Sehenswürdigkeiten und einem Teil Familiengeschichte

Padua: Ein Ausflug zwischen malerischen Plätzen, venezianischem Flair und einer reichen, spürbaren Geschichte.

Vor ein paar Monaten hieß es für uns, für meinen Bruder und mich, uns auf die Spuren unserer Familiengeschichte zu begeben und so einen tieferen Blick auf eine unserer Heimatstädte zu werfen: Padua (Padova im Italienischen), die wunderschöne Geburtsstadt unseres Großvaters. Ein Ausflug zwischen malerischen Plätzen, venezianischem Flair und einer reichen, spürbaren Geschichte. 

Padua Tipps im Überblick

Lage und Geschichte von Padua auf einen Blick

Padova ist Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und liegt am Rand der Po-Ebene, rund 30 Kilometer westlich von Venedig, durchzogen vom Fluss Bacchiglione. Ihre geografische Lage machte sie früh zu einem Knotenpunkt zwischen Adria und norditalienischem Hinterland – politisch, wirtschaftlich wie auch kulturell. Als eines der ältesten urbanen Zentren Italiens reicht die Geschichte Paduas bis in die Antike zurück. Der Legende nach wurde Patavium um 1184 v. Chr. vom Trojaner Antenor gegründet. Historisch gesichert entwickelte sich die Stadt zu einem bedeutenden Zentrum der Veneter, später zu einer wohlhabenden römischen Kommune. Im Jahr 601 wurde die Stadt durch die Longobarden zerstört, wovon sich Padua nur langsam erholte. Im Mittelalter wuchs die Stadt erneut zu Einfluss heran – politisch unter den Carraresi, kulturell durch Kunst und Wissenschaft. Später verlor Padua seine Eigenständigkeit an die Republik Venedig, blieb aber ein Ort des Denkens, Forschens und Lehrens.

Heute trägt Padua gleich zwei UNESCO-Welterbestätten: den Botanischen Garten und die Freskenzyklen des 14. Jahrhunderts, verteilt über die Altstadt – sichtbare Zeichen einer Stadt, die Wissen nicht archiviert, sondern weitergibt.

Welche Sehenswürdigkeiten darf ich mir in Padua nicht entgehen lassen? 

Was soll man in so kurzer Zeit alles besuchen? Ist das nicht die Frage, die man sich jedes Mal stellt, sobald man auch nur daran denkt, einen Kurzbesuch in einer anderen Stadt einzulegen? Eigentlich liebe ich es ja, mich schon im Voraus über die Stadt zu erkundigen und voller Neugierde nach Hotspots und Sehenswürdigkeiten zu suchen. Dieses Mal haben wir uns aber einfach treiben lassen und uns frei nach Gefühl und Laune, ganz ohne Stadtplan, durch die wunderschöne Altsadt von Padova bewegt. Welche Orte und Sehenswürdigkeiten dabei rausgekommen sind? Ich erzähle es euch! 

#1 Prato della Valle

padova_prato-della-valle-01.jpegpadova_prato-della-valle-02.jpegpadova_prato-della-valle-03.jpeg

Nun, eigentlich war das nicht der Startpunkt unserer Tour, aber ich kann nicht umhin mit diesem Schmuckstück zu beginnen! Der "Prato della Valle" ist wohl der berühmteste Platz von Padua - ein einziger Blick reicht, um zu verstehen wieso: Rund um den Platz reihen sich 78 Statuen berühmter Persönlichkeiten an beiden Seiten des Kanals, der den Platz umgibt. Darunter: Cicero, Galileo Galilei, Titus Livius, Francesco Petrarca, Francesco Guicciardini und Francesco Morosini. Der Platz selbst existierte bereits in der römischen Epoche und erhielt seinen heutigen Namen im Mittelalter. Die Statuen und der Kanal wurden allerdings erst im Laufe des 18. und 19. Jhd's hinzugefügt. 
Direkt gegenüber sticht ein besonderes Gebäude hervor, die neugotische Loggia Amulea. Während sie im 17. Jhd. dazu diente, wichtige Persönlichkeiten willkommen zu heißen, wurde sie bis 1822 als Hochschule genutzt. Unter den Arkaden des Gebäudes, mit Blick auf den Prato della Valle, befinden sich außerdem zwei Statuen die Dante Alighieri und Giotto gewidmet sind. 

#2 Piazza del Santo & Basilica di Sant-Antonio

padova_santantonio_03.jpegpadova_santantonio_06.jpegpadova_santantonio_07.jpeg

Kommen wir zum eigentlichen Start unseres Ausflugs, der Piazza del Santo und der berühmten 118 m langen Basilika des Heiligen Antonius - eines der bekanntesten und meistbesuchten Gotteshäuser Italiens. Die Basilika gehört zu den 8 weltweiten internationalen Heiligtümern und wurde zwischen Anfang des 13. und Beginn des 14. Jhd's als erster großer Gewölbe-Kirchenbau Italiens erbaut, um das Grab des hl. Antonius von Padua zu beherbergen . Im Inneren des gotisch-romanischen Baus können einige der wunderschönen Werke Donatellos bewundert werden. Darunter die berühmte 7-köpfige Skultpurengruppe mit 21 Reliefs und das Kruzifix. Sehenswert sind auch die 5 malerischen Kreuzgänge, wie der bekannte Kreuzgang der Magnolie.
Ganz in der Nähe befindet sich auch der Botanische Garten der Stadt. Leider war er jedoch geschlossen, als wir hier vorbeigekommen sind. Dafür wartet er beim nächsten Besuch auf uns! 

#3 Piazza dei Frutti & Palazzo della Ragione

padova_palazzo-della-ragione.jpeg

Zeit für eine Pause – und für Espresso. Die Piazza dei Frutti und die angrenzende Piazza delle Erbe bilden seit Jahrhunderten das wirtschaftliche Herz der Stadt. Heute findet hier einer der größten Wochenmärkte Italiens statt: lebendig, lokal, alltäglich. Über dem Platz erhebt sich der1218 errichtete Palazzo della Ragione, einst Gerichtssitz. Sein Inneres beherbergt den Salone, einen der größten Hängesäle der Welt, überspannt von einer hölzernen Gewölbedecke und mit astrologischen Fresken geschmückt. In diesem Raum befindet sich auch ein großes Holzpferd, das 1466 ursprünglich für ein Karussell angefertigt wurde. Außerdem kann man hier auch Giacomo Torzos Pläne für das berühmte Pendel von Foucault sehen, während sich im Untergeschoss des Palastes ein Bereich mit archäologischen Ausgrabungen befindet.

Daneben ragt der Torre degli Anziani, der älteste Stadtturm Paduas empor, der mit einer Höhe von 44 Metern einen weiten Blick über Dächer, Ebenen und bei klarem Wetter bis zu den Euganeischen Hügeln bietet.

#4 Piazza dei Signori

padova_piazza-dei-signori-02.jpeg

Nur wenige Schritte weiter öffnet sich die Piazza dei Signori, jahrhundertelang Bühne für Feste, Turniere und politische Reden. In ihrer Mitte dominiert der Uhrenturm Torre dell’Orologio. Die wunderschöne astronomische Uhr aus dem 15. Jahrhundert ist mehr als ein Zeitmesser: Sie zeigt Mondphasen, Tierkreiszeichen und Planetenbewegungen – ein Abbild des mittelalterlichen Verständnisses von Zeit und Kosmos. Von weitem wirkt sie wie ein großes Auge, das den Platz überblickt. Man bleibt stehen, blickt hoch, vergisst für einen Moment die eigene Uhr.

#5 Palazzo del Bo - der historische Sitz einer der ältesten Universitäten Europas

padova_palazzo-del-bo-01.jpegpadova_palazzo-del-bo-05.jpegpadova_palazzo-del-bo-04.jpeg

Manche Orte ziehen einen sofort hinein. Der Palazzo del Bo, historischer Sitz der 1222 gegründeten Universität von Padova, ist so ein Ort. Der älteste Teil der Universität wurde erbaut, um einige der Studenten und Professoren von der ältesten Universität der Welt, der Universität Bologna, nach Padova zu bringen. Einerseits um den großen Anlauf nach Bologna zu verringern, andererseits um die Stadt selbst aufzuwerten. Unter dem bis heute gültigen Leitspruch "Universa universis patavina libertas" wird seit Jahrhunderten in den altehrwürdigen Mauern gelehrt. Berühmtester Professor war Galileo Galilei, der hier nicht nur lehrte, sondern forschte und dachte – und dabei die Grundlagen für ein neues Weltbild legte.

 

Fun Fact

Die Universität Padua war eine der ersten Universitäten Europas, die Frauen ein Studium erlaubte. Elena Lucrezia Cornaro Piscopia wurde hier 1678 als erste Frau der Welt zur Doktorin promoviert – ein stiller, aber bedeutender Meilenstein akademischer Geschichte.

#6 Cappella degli Scrovegni

Die Scrovegni-Kapelle ist kein Ort, den man einfach „besichtigt“. Man tritt ein – und wird still. Giottos Freskenzyklus, entstanden zwischen 1303 und 1305, gilt als Wendepunkt der westlichen Kunstgeschichte. Szenen aus dem Leben Marias und Christi, Tugenden und Laster, schließlich das monumentale Jüngste Gericht. Die Figuren wirken menschlich, greifbar, emotional – eine Revolution für ihre Zeit. 2021 wurde der Zyklus als Teil der seriellen UNESCO-Welterbestätte „Freskenzyklen des 14. Jahrhunderts in Padua“ anerkannt. Der Besuch ist zeitlich streng geregelt – und genau das macht ihn so intensiv.

#7 Der älteste botanische Garten der Welt

Der Orto Botanico di Padova, gegründet 1545, gilt als ältester Universitätsbotanischer Garten der Welt und Ursprung aller modernen botanischen Gärten. Ursprünglich diente er dem Studium von Heilpflanzen – heute ist er Forschungszentrum, Genbank und Rückzugsort zugleich. Auf rund 3,5 Hektar wachsen über 3.500 Pflanzenarten aus aller Welt. Herzstück ist der Renaissance-Garten mit seinen geometrischen Beeten. Seit 1997 zählt der Garten zum UNESCO-Welterbe und zeigt eindrucksvoll, wie eng Wissenschaft, Medizin und Natur hier seit Jahrhunderten verbunden sind.

#8 Battistero di San Giovanni Battista

Unscheinbar von außen, überwältigend im Inneren: Das Baptisterium neben der Kathedrale beherbergt einen der geschlossensten Freskenzyklen des 14. Jahrhunderts. Giusto de’ Menabuoi schuf hier zwischen 1375 und 1378 eine farbintensive Darstellung der „Geschichte der Erlösung“. Die Kuppel zeigt Christus als Weltenrichter, umgeben von Engeln und Heiligen – ein Bild, das den Raum vollständig einnimmt. Seit 2021 gehört auch dieser Zyklus zur UNESCO-Stätte Padua Urbs Picta. Der Besuch ist mit dem Diözesanmuseum verbunden und wird durch einen multimedialen Raum ergänzt, der Kontext und Bedeutung erschließt.

Hidden Gems

Abseits der bekannten Wege lohnt ein Spaziergang durch das “Ghetto Ebraico”, eines der ältesten jüdischen Viertel Norditaliens. Kleine Plätze, stille Fassaden und doch viel Geschichte. Auch die Specola, das ehemalige astronomische Observatorium im mittelalterlichen Turm, bietet einen spannenden Blick auf die wissenschaftliche Vergangenheit der Stadt.

Padua und Umgebung

Nur wenige Kilometer südlich liegen die Euganeischen Hügel – ein sanftes Hügelland vulkanischen Ursprungs mit Thermalorten wie Abano Terme. Richtung Westen lockt Vicenza mit Palladios Architektur, Richtung Osten natürlich Venedig – mit dem Zug in rund 30 Minuten erreichbar.


whatsapp